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Final Fantasy: Thomas Böcker im Interview zum Thema Videospielmusik

Thomas Böcker, ein Videospielmusik-Konzert-Produzent, erzählt im Rahmen eines Interviews wie er zu seinem Beruf kam, und wie er der Welt die Videospielmusik, zurzeit die aus Final Fantasy, näher bringen möchte, sodass auch Menschen, die keine Videospiele spielen, auf den Geschmack der Videospielmusik kommen.

Thomas Böcker produziert seit 2003 die Symphonic Game Music Konzerte, und er hat bereits mehrere Auszeichnungen dafür bekommen, dass er zwei unterschiedliche Welten erfolgreich zusammengebracht hat: Videospiele und Orchestermusik. Seine Konzerte bieten eine etwas andere Art von klassischer Musik, und zwar werden Partituren von Nintendo bis hin zu Partituren von Final Fantasy von Square Enix gespielt, und dabei wird die latente kompositorische Tiefe der Videospielmusik herausgeholt, um neue Zuhörer zu begeistern. Die Musik von Final Fantasy wurde von Nobuo Uematsu und Masashi Hamauzu komponiert, und sie klingt besonders gut, sodass Thomas Böcker die Final Symphony Konzerte seit 2013 produziert, und es werden die beliebtesten Stücke aus den Spielen vorgeführt.

Thomas Böcker hat für die Webseite Bachtrack ein Interview gegeben, und spricht über die Arbeit hinter seinen Konzerten mit der Musik aus Videospiele.

Frage: Was ist Ihr musikalischer Hintergrund und könnten Sie zusammenfassen was Sie machen?

Thomas Böcker: Ich habe mir alles selbst beigebracht. So wie es oft im Leben passiert, habe ich es nie geplant ein Konzert-Produzent zu werden, aber ich wurde in dieser Branche aufgrund meiner Leidenschaft für die Musik gebracht. Ich bin in einer Familie, die klassische Musik liebt, aufgewachsen. Genauso war ich von Heimcomputern, wie die Commodore 64 und Commodore Amiga, umgeben. Also entwickelte ich, als ich ein Kind war, auch ein großes Interesse für die Videospielmusik. Als ich Anfang 20 war, erfuhr ich, dass es japanische Orchester gibt, die ähnliche Soundtracks auf Konzerte spielten, und dies hat mich fasziniert. Ich wartete darauf, dass es auch im Westen geschah, aber ich wurde enttäuscht, und so entschied ich selbst solch ein Konzert, in Zusammenarbeit mit Leipzig Trade Fair, zu produzieren. Sie akzeptierten mein Vorschlag, eine Zeremonie für eine Games Convention im Jahre 2003 im Leipzig Gewandhaus zu eröffnen. Es war das allererste Videospielmusik-Konzert außerhalb von Japan.

Meine Aufgaben sind vielfältig. Es liegt an mir, Konzepte für neue Programme zu erstellen, herauszufinden auf welche Videospiele sie basieren sollen, Ideen mit den Komponisten, Arrangeurs, Künstlern und Schreiber diskutieren und koordinieren. Ich muss aber auch mit den Urhebern über die Rechte verhandeln, sowie auch mit den Orchestern und Konzerthallen, da ich manche meiner Konzerte, mit meiner Agentur „Opus 3 Artists“, welche für das Buchen der Orchester verantwortlich ist, selbst promote, und sie auch selbst vorstelle.

Es ist ein komplexer Prozess und mit den Ergebnissen, sehe ich unsere Arbeit als eine neue originelle Arbeit, auch wenn wir existierende IPs benutzen.

Frage: Was ist das Konzept eines Konzertes?

Thomas Böcker: Meine Projekte Final Symphony I und II, Symphonic Fantasies und Symphonic Odysseys haben die Voraussetzung, dass kein Bildmaterial von Videospiele gezeigt wird, da die Musik für sich selbst spricht, und da sie gut genug ist, um die Hauptattraktion zu sein. Dadurch können wir uns von der Konkurrenz abheben, weil wir, zum Beispiel bei Final Symphony I und II, ein Konzept benutzen, das dem von klassischen Konzerten ähnlich ist, einschließlich symphonische Dichtungen, Klavierkonzerte und sogar eine 45-minütige Symphonie von Jonne Valtonen in drei Sätzen, welche auf legendäre Szenen aus den Original-Spielen basiert. Bei Konzerten erzählen wir sie auf eine musikalische Art erneut. Die Resonanz zwischen den Geschichten und das Publikum ist gut, und da die Melodien bekannt und beliebt sind, hören unsere Zuhörer aufmerksam zu, um jede Nuance der gespielten Musik aufzunehmen. Für mich ist es wichtig ein echtes Erlebnis zu bieten: klassische Konzerthallen ohne Verstärkung, eine natürliche Umgebung mit den Orchestermusikern, die man beim Spielen zusehen kann, und bei denen man miterleben kann wie sie die Musikstücke zum Leben erwecken.

Um sich eine Vorstellung davon machen zu können, sollte man sich die folgenden zwei Clips anschauen. Das erste ist die Originalmusik und das zweite eine Version dessen mit einem Orchester:

 

Frage: Wie lange dauert es für Sie ein Programm für ein Konzert zusammenzustellen?

Thomas Böcker: Das hängt vom Konzept ab, aber bei selbst-finanzierte Projekte, wie Final Symphony, wird ein Jahr für die Entwicklung benötigt. Alleine die Recherchen zu den Spielen beanspruchen mehrere Wochen, und das Erstellen von Partituren beschäftigt die Arrangeurs für mindestens sechs Monate. Deswegen bedeutet es für ganz neue Produktionen hohe Investitionen in finanziellen und Zeit-Angelegenheiten.

Frage: Mit welchen Orchestren arbeiten Sie?

Thomas Böcker: Ich bin sehr stolz auf meine sehr gute Beziehung mit dem London Symphony Orchestra, und ich lege viel Wert auf meine Beziehung mit dem Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, mit welchem ich nun seit über 10 Jahren arbeite. Andere Orchester sind das Tokyo Philharmonic Orchestra, San Francisco Symphony, das Beethoven Orchester Bonn, das Baltimore Symphony Orchestra, Auckland Philharmonia und viele andere.

Frage: Wie viele Menschen haben Final Fantasy gespielt und spielen es immer noch?

Thomas Böcker: Die Final Fantasy-Spielreihe feiert dieses Jahr ihren 30. Geburtstag, und hat bisher über 130 Millionen Spiele verkauft. Final Fantasy VII ist eins der meistverkauften Spiele, da es über 11 Millionen Mal verkauft wurde. Aufgrund seiner Popularität, entwickelt Square Enix ein HD-Remake von diesem Spiel. Der neueste Titel der Final Fantasy-Serie trägt die Nummer 15, und wurde am Ende des letzten Jahres veröffentlicht.

Frage: Wie ist Ihr Publikum auf der Welt verteilt?

Thomas Böcker: Die meisten unserer Zuschauer sind zwischen 18 und 36 Jahre alt, und bei unseren Konzerten, die nur auf Final Fantasy basieren, besteht das Publikum aus 50% Frauen und 50% Männern. Videospielmusik-Fans sind sehr treu, manche von Ihnen kommen sogar zu allen meinen Produktionen; dies kann auch eine weltweite Reise beinhalten. Ein Gentleman aus Finnland war sogar bei mindestens 5 Vorstellungen von Final Symphony. Und nun hat dieser Mann sich entschlossen selbst ein Videospielmusik-Produzent zu werden.

Frage: Wie reagiert das Publikum auf die Musik?

Thomas Böcker: Während der Vorstellungen ist es so ruhig, dass man eine Stecknadel fallen hören könnte. Wenn das Konzert aber endet, ist die Reaktion des Publikums vergleichbar mit einem Rock-Konzert. Wenn der Komponist Nobuo Uematsu auf die Bühne kommt, kann man genau sehen und hören, dass er eine Legende in der Welt der Spielmusik ist.

Ginette Decuyper, ein Mitglied der ersten Geigen-Sektion im London Symphony Orchestra, beschrieb die Reaktion des Publikums während einer Vorstellung der Final Symphony-Serie des Orchesters: „Die Töne zu hören, die sie lieben, und mit ihren Lieblings-Spielen aufgewachsen zu sein, kann, angesichts der Dimension, die vom London Symphony Orchestra gegeben wird, sie umwerfen. Man sieht nicht sehr oft Erwachsene, die bei Konzerte weinen.“

Währenddessen sagte Prescilla Garland, die einen erfolgreichen Twitter-Account, welches der Videospielmusik gewidmet ist, hat, in einem Dokumentar-Film: „Wenn wir diese Videospielmusik-Konzerte nicht hätten, wäre ich am Boden zerstört. Ich habe diese Art von Musik bereits Live erlebt und ich brauche mehr. Es ist so als bräuchte ich es… um mich im Spiel zu verlieren, sowie in der Musik und in den Melodien.“

Frage: Haben Sie jemals kontinuierlich mit einer Konzerthalle gearbeitet, um ein Publikum auf einer Reise über mehrere Jahre zu nehmen, damit sich dieses Publikum von reiner Spielmusik zu einem Konzert mit reiner Orchestermusik bewegt?

Thomas Böcker: Es ist ein Konzept an dem ich bereits arbeite, da es mit Sicherheit ein starkes Orchester-Management benötigt. Was ich sagen kann, ist, dass wir zurzeit Konzerte mit Musik von Spielen und Klassik als Appetithäppchen entwickeln. Es gibt garantiert ein klarer Fokus auf die Videospielmusik-Fans; was ich in der Zukunft gerne sehen würde, ist, dass Orchester Videospielmusik in ihrem regulärem Programm einfügen, und das zusammen mit, zum Beispiel, Sibelius, Strauss oder Prokofiev mit Uematsu. Ich denke, es gibt für jede Generation eine Menge zu lernen.

Wir hatten kürzlich auf einem meiner Konzerte in München ein älteres Publikum – verglichen mit dem, den wir sonst haben. Es war sehr bewegend mit einigen aus dem Publikum, die über die Qualität des Arrangements überrascht waren, zu reden. Ich bin mir sicher, dass solche offene Menschen gerne mehr über diese Musik hören würden, wenn sie die Chance dazu bekämen.

Frage: An was arbeiten Sie momentan? Gibt es andere Spiele an die Sie für das Merregnon-Projekt denken oder können Sie noch nichts dazu sagen? Können wir mit neuen Produktionen in der Zukunft rechnen?

Thomas Böcker: Bei den Merregnon-Studios hoffen wir, dass wir der Welt mehr Performances unserer existierenden Programmen, wie Final Symphony, bringen können, und wir machen in diesem Bereich große Fortschritte. Im Moment liegt der Hauptfokus natürlich in Paris und London, wo wir unsere nächsten Konzerten mit der LSO (London Symphony Orchestra) in der Philharmonie de Paris und das Barbican: Symphonic Selections in Paris und Symphonic Odysseys in Paris und London haben werden. Es ist eine große Ehre, dass der Komponist Nobuo Uematsu bei allen drei Vorstellungen dabei ist. Er war sogar damit einverstanden, bei Gespräche, bei welchen das Publikum nach dem Konzert Fragen stellen kann, dabei zu sein. Es geht, wie zuvor besprochen, darum ein junges Publikum einzubringen; ich möchte, dass meine Konzerte unterhalten und lehrreich sind. Für Orchester-Manager ist es die beste Möglichkeit innerhalb von Jahren Jugendliche und interessierte Menschen zu erreichen.

Quelle: Bachtrack