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Life is Strange: Episode 1 Chrysalis im Test – mein Eindruck vom Butterfly Effect und prachtvoller Kulisse

Ich lies mich nicht lange bitten und spielte Life is Strange. Adventures im Episoden-Format sind ja seit The Walking Dead genau mein Ding. Was genau hinter der ersten Episode von Life is Strange steckt und warum ich so fasziniert bin, erfahrt ihr hier.

Es ist kalt, es regnet. Max erwacht im Wald, nahe der Bucht. Wir hören Sturm brausen und wissen nicht, was geschehen ist. Wie wir hierher kamen, warum wir hier sind. Max kennt diese Stelle, es ist der Pfad zum Leuchtturm von Arcadia Bay. Sie folgt ihm, dann sieht sie ihn: Den Tornado. Er bringt Verwüstung, Max gerät in Panik, sie kann nichts tun. Dann sind wir wach.

Mitreißend und dramatisch beginnt die erste Episode von Life is Strange. Wir wissen noch überhaupt nichts von dem, was uns erwarten wird. Nur die bisherigen Berichte und Bilder ließen uns darauf schließen, dass das Teenie Girl, welches in dem verregneten Wald erwacht ist, Max heißt und wir uns in Arcadia Bay befinden. Man erwartet eine dramatische Wendung, das Spiel reißt einen aber aus der Katastrophe heraus und versetzt uns in den Klassenraum der Fotografie Stunde an der renommierten Blackwell Academy.

Und da sitzen wir in Gestalt von Maxine „Max“ Caulfield, der Protagonistin aus DONTNODs (Rememeber Me) und SquareEnix (Final Fantasy Reihe) neuem Adventure. Und es kommen erstmal Fragen auf: Was war das, ein Traum oder eine Vision? Was sind das für Sachen vor uns auf dem Tisch und wieso sitzen wir eigentlich in diesem Klassenraum? Die letzte Frage beantwortet sich im Laufe des Spiels. Recht schnell erkennt man, dass die 18-jährige Max eine leidenschaftliche Fotografin mit einem deutlichen Talent ist. Sie kehrte extra in das beschauliche Städtchen in Oregon, in dem sie aufgewachsen ist zurück, um ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen.

Schmetterlinge und der Tornado

Klingt nach einem chilligen Leben, eine kleine Stadt, das Leben als Studentin und das introvertierte Ich klingen nach wenig Aufregung. Wäre da nicht dieser Traum mitten im Unterricht und die plötzliche Entdeckung von Max, dass sie die Zeit zurück drehen kann und damit sogar das Leben einer anderen Schülerin rettet.

Ab dem Zeitpunkt scheint alles nicht mehr ganz so chillig zu verlaufen und einige Themen werden angerissen, von Fotografie bis zum Drogenandel. Und ständig ist da diese Vision, die Max im Hinterkopf bleibt und sie spüren lässt, dass etwas gefährliches im Anmarsch ist. Diese Bedrohung wird durch die allseits präsenten Plakate verstärkt, auf denen nach Hilfe zur Aufklärung des Verschwinden von Rachel Amber gebeten wird. Das Mädchen scheint wie vom Erdboden verschluckt und irgendetwas sagt uns, dass ihr verschwinden und Max Vision etwas miteinander zu tun haben.

Was man so tut, wenn man die Zeit verändern kann

Das Zeitreise Feature ist das Kernelement des Gameplays in Life is Strange. Anders als in anderen Episoden-Adventures wie Telltales „The Walking Dead“, steht ihr nicht unter dem Druck, in kurzer Zeit eine Entscheidung treffen zu müssen, die weitreichende Konsequenzen haben wird. Die Konsequenzen gibt es, aber ihr könnt sie testen. Trefft eine Entscheidung, spult die Zeit zurück und trefft die nächste. Teilweise eröffnen sich auch neue Dialogoptionen. Die unmittelbaren Konsequenzen können abgewägt werden, aber jede eurer Entscheidungen, egal für welche ihr euch schließlich entscheidet, soll laut den Machern des Spiels in späteren Abschnitten noch zu tragen kommen. Damit geht DONTNOD etwas andere Wege als Telltale und schickt euch in einen Gameplay-Mix aus „Try and Error“ und auskundschaften der Umgebung.

Die Regeln zum Zeitreise sind einfach:

  • Max bleibt wo sie ist
  • sie behält all ihre Gegenstände im Inventar
  • alle gesammelten Informationen bleiben Max im Gedächtnis

Somit entpuppt sich das Zeitreisefeature als kleine Mogelpackung, die aber durchaus Laune macht, auch weil sie dazu beiträgt, sich auf alle Facetten der Geschichte einlassen zu können. Und auf diese kommt es ein einem guten Adventure schließlich an.

Es gibt überall etwas zu entdecken. Fotografien, die aus dem wahren Leben stammen und für Liebhaber der Fotografie sicherlich interessant sein können, bis hin zu kleinen Tagebucheinträgen, die euch mehr über Max und ihre Geschichte verraten. Es lohnt sich stets die Augen offen zu haben, in Life is Strange wurden viele Details eingefügt, die das Leben in Arcadia Bay glaubhaft machen.

Noch ein Unterschied zum Vorzeige Adventure „TwD“ sind die freiläufigeren Areale, durch die ihr Max bewegen könnt. Wie bereits angesprochen, könnt ihr eurem Entdeckungsdrang freien lauf lassen. Es ist kein Open-World Spiel aber der Campus und manche Orte der Stadt laden zum intensiven Erkunden ein.

Alte Freundschaften

Eure erste Zeitreise Erfahrung kann euch den Unmut anderer Schüler einbringen. Wie gut, dass ihr auf Chloe trefft – in eurer Zeit in Arcadia Bay vor fünf Jahren war sie eure beste Freundin. Chloe rettet euch aus einer schwierigen Situation und ihr werdet mit ihr zusammen den weiteren Tag verbringen. In dieser Zeit erfahrt ihr, wie es Chloe nach Max Umzug nach Seattle ergangen ist. In interessanten Dialogen und durch Informationen aus Tagebüchern und Notizen könnt ihr die Geschichte hinter Chloe ergründen.

Ihr erfahrt mehr aus dem Leben von Max und werdet einige düstere Fakten zum Vorschein bringen. Dem Genre Adventure wird Life is Strange durchaus gerecht, da ihr Kombinationsvermögen und Neugierde mitbringen müsst, um einige interessante Fakten in Erfahrung zu bringen. Eure neu gewonnene Fähigkeit hilft euch dabei, an Informationen zu kommen, ohne dadurch in Schwierigkeiten zu geraten (ein fallen gelassene Fotomappe die in einer Pfütze landet sollte schleunigst nie fallen gelassen worden sein 😉 ).

Im Laufe der Episode wird sich heraus stellen, ob Max und Chloe ihre alte Freundschaft wieder aufleben lassen können und ob die Bedrohung doch realer ist, als man meinen mag.

Alles etwas intensiver

„Chrysalis“ ist in erster Linie dazu da, euch nach Arcadia Bay zu führen. Euch zu zeigen, wo Max aufgewachsen ist und warum sie ist, wie sie ist. Was sind ihre Wünsche und Sehnsüchte. Dies sind die Fragen, die Episode eins des Adventures versucht zu klären. Das Zeitreisefeature haut noch keinen „Doc Brown“ vom Zug, ihr spielt zunächst mit der Entscheidungsfreiheit herum. Das ist auch in Ordnung, denn DONTNOD will euch für mehrere Episoden begeistern und niemanden gleich überfordern. Die Geschichte baut sich ebenfalls langsam auf und aus einen anfänglichen Teenie-Drama scheint eine ernsthafte, mysteriös angehauchte Geschichte um geheimnisvoller Kräfte zu werden. Und jeder Schnipsel, jedes Buch und jedes Foto tragen dazu bei, die knisternde Atmosphäre aufrecht zu erhalten.

Die Grafik leistet sich dabei für ein Adventure keine Schwächen. Im Gegenteil gehört sie zu den hübscheren, die wir in letzter Zeit gesehen haben. Die Animationen wirken teils sehr lebensecht und auch die Mimik der Personen ist gut getroffen. Das idyllische Fleckchen Erde, auf dem sich die Geschichte abspielt, wirkt wunderbar atmosphärisch. Es ist Herbst in Arcadia Bay, man spürt es an der Stimmung, man sieht es an den Farben. Farben und Musik tragen das Geschehen mit sich und beschreiben eine stimmige Symphonie aus Sinneseindrücken.

Witzig ist es, wenn man etwas entdeckt, womit man interagieren kann und Hinweise, die wie auf Papier gekritzelt wirken einen auf etwas aufmerksam machen.

Der Hinweis zeigt euch, wen ihr da vor euch habt. In diesem Fall die rebellische Freundin von Max.

Die musikalische Untermalung passt wunderbar zur melancholischen Grundstimmung. Und als sich die Episode zum Ende neigt und die Entwickler bei DONTNOD nocheinmal zeigen, wie sie einen mit der Farbenpracht eines Life is Strange und der stimmungsvollen Musik, die uns tief berührte und entspannte – und doch spürte man, dass sich etwas anbahnte. Umso aufgewühlter saß ich auf der Couch, als der Abspann über den Fernseher rollte.

Der Soundtrack zu Life is Strange stammt von Jonathan Morali von der Band „Syd Matters“ und wurde vom modernen Indie- Folk inspiriert.

Die Steuerung ist einfach gehalten. Ihr steuert Max je nach Eingabegerät gewohnt durch die Gegend. In unserem Fall war es der linke Stick am PS4 Controller zum bewegen und der rechte zur Schwenken der Kamera. In Dialogen oder mit Gegenständen interagiert ihr mit typischen Multiple-Choice Aktionen. Eure Zeitreisefähigkeit liegt bei der PS4 auf dem R1 Button. Diesen könnt ihr gedrückt halten um die Zeit langsam zurück zu spulen. Durch das Drücken von R1 und R2 gleichzeitig, beschleunigt ihr die Zeitreise. Die Steuerung ist somit nicht sonderlich kompliziert und sehr intuitiv.

Was kann es und was nicht?

Life is Strange ist sicherlich keine Neuerfindung des Adventure Genres. Das Zeitreise Feature wurde noch nicht sonderlich spannend integriert und lässt sicherlich noch Spielraum nach oben offen. Auch wirken einige Dialoge noch teils aufgesetzt und man hatte an einigen Stellen (wie beim Schlichten eines einfachen Streit zwischen zwei pubertären Teenies) nicht das Gefühl, wirklich wichtige Dinge für die der Geschichte zu leisten.

Chloe wirkt sehr stereotypisch. Dafür dass Max beste Freundin eine große Rolle in dem dem Adventure spielt, ist das ein ziemlicher Minuspunkt.

Auf der anderen Seite sind es genau diese Kleinigkeiten, die einen mehr an die Charaktere bindet. DONTNOD hat es während der drei Stunden Spielzeit geschafft mich für Max und ihre Freunde (und Feinde) zu begeistern und ich will zurück nach Arcadia Bay. Rachels Verschwinden aufklären und noch mehr lustige Unterhaltungen mit Chloe führen.

Auf jeden Fall bietet dieses Spiel schon jetzt mehr spielerischen Anspruch als die meisten Telltale Adventures und schafft es dadurch einen besser in das Spielgeschehen zu integrieren.

„Chrysalis“ ist die erste von fünf Episoden und ist seit dem 30. Januar 2015 für PC, PS4, XB1, 360 und PS3 als Download erhältlich. Ebenfalls könnt ihr auf eurer Konsole eine Demo zu Life is Srange herunterladen. Neue Episoden erscheinen in einem Abstand von ungefähr sechs Wochen – SquareEnix räumt sich aber Zeitfenster von +- ein paar Wochen ein.

Zuletzt gab es eine Verschiebung von Episode 2. Das Team von DONTNOD gibt aber an, Episode 2 bis Ende März fertig gestellt zu bekommen.

Zusammenfassung
Technisch auf hohem Niveau und spielerisch anspruchsvoll. Telltale bekommt ernsthafte Konkurrenz. Ich bin nach dem Abspann völlig fasziniert gewesen von der Intensität dieses Spiels. Ich hoffe sehr, dass DONTNOD dieses hohe Level halten kann und Life is Strange im Laufe der Episoden noch einige Überraschungen parat hat. Der Anfang für ein mitreißendes Adventure ist auf jeden Fall gelungen!
7.7
Fair
Spielspaß - 8
Grafik - 7
Sound - 8
Steuerung - 6
Handlung und Charaktere - 9.5
Geschrieben von
Val

Redaktionsleitung / Administration

Mit Nintendo und Square Enix bin ich aufgewachsen und kümmere mich seit 2013 um Spiele-News und Reviews. Ich bin immer für euch unterwegs, im Netz und auf Events. News und Reviews sind mein Gebiet. Meine Spiele-Vorlieben sind (J)RPGS, Adventures, Horror-Spiele (und Filme) und alles was mit Mario und Co. zutun hat.

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