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Lost Sphear Review

Lost Sphear zeigt euch, dass Erinnerungen lebenswichtig sind.

Wir haben in Erinnerungen geschwelgt und dabei eine Welt gerettet. So gefiel uns das neue Werk von Tokyo RPG Factory, Lost Sphear.

Tokyo RPG Factorys erstes Spiel, I Am Setsuna, war eine liebevolle Hommage an Klassiker wie Chrono Trigger oder Final Fantasy VI. Ein Spiel, das einen in die Zeiten der JRPGs Mitte der Neunziger zurückversetzte und seinen Charme und Nostalgiefaktor hatte. Aber auch seine Fehler. Dennoch wurde es zum Liebling eingefleischter oldschool JRPG Fans. Mit Lost Sphear wollte das Studio unter Square Enix Fittichen vieles besser machen und drehte an einigen Schrauben. Ob Lost Sphear der perfekte Nostalgie Trigger ist, haben wir uns angesehen.

Eine Welt, an die ihr euch erinnern müsst

Es wirkt beinahe wie eine Selbstreflektion des Studios, eine Welt zu erschaffen, in der Dinge „verloren“ gehen. Sie verblassen, werden zu weißen Auren, die mit der Zeit gänzlich verschwinden. Wie unsere eigenen Erinnerungen und es sind die Erinnerungen, welche die Objekte und Personen, die verloren gegangen sind, wieder zurückholen können. Man erinnert sich an die Vergangenheit, damit Dinge nicht verloren gehen. Wie das Entwicklerstudio sich an die geliebten Spiele erinnert, aus denen sie ihre Inspiration gezogen haben.

Es liegt an Kanata, dem Protagonisten in Lost Sphear, die Erinnerungen zu sammeln und die verlorenen Dinge zurückkehren zu lassen. Das kleine Dorf in dem er aufgewachsen ist, ist einer der ersten Orte, welcher „verloren“ geht. Um das zu ändern machen sich Kanata und seine Freunde Locke, Van und Lumina auf die Suche nach einer Lösung dieses kleinen Problems. Dabei erkennen sie, dass nur Kanata die Welt vor dem endgültigen „Verlorengehen“ retten kann. Natürlich können sie ihn nicht allein auf seine gefährliche Reise schicken und auch das Militär des Imperiums ist bemüht, dem Problem Herr zu werden.

Eine Welt verschwindet.

Und so beginnt eine Geschichte um Freundschaft, Intrigen und so manche Hintergrundgeschichte. Alles irgendwie nett erzählt und die Beweggründe der Charaktere auf ihre Weise nachvollziehbar. Es fühlt sich schön an, Lost Sphear nimmt mich mit auf eine Reise in meine Kindheit, ja. Aber die Charaktere brechen nicht aus ihren Mustern aus, die kleine Gruppe hat ihre kleine, eigene Dynamik die über die flach Erzählte Welt hinwegsehen lässt. Man hat ständig das Gefühl etwas zu verpassen, das man nicht aufdecken konnte, da einem die Erinnerungen fehlten. Die Dialoge sind sicherlich mühsam ausgearbeitet worden, aber teils zu lang. Es dreht sich vieles um ein und dasselbe Thema und irgendwann stumpft man gegen das Selbstmitleid der Charaktere ab.

Die Gruppe variiert.

Achte auf die Beinarbeit! Das Kampfsystem

Die Kämpfe in Lost Sphear sind dafür erfrischend anders und können einen durchaus taktischen Hauch versprühen. Hier wurde das Kampfsystem von I Am Setsuna genommen und einige Dinge verbessert. Das ATB gibt euch die Zeit, euren Charakter auf dem Schlachtfeld frei zu platzieren. So könnt ihr entscheiden, von wo aus ihr angreifen möchtet. Was bei einigen Gegnern und Bossen durchaus notwendig ist.

Je nachdem wo ihr steht, könnt ihr auch mehrere Gegner gleichzeitig treffen.

Denn diese verlangen geradezu von euch, dass ihr eure Position wechselt und vor dem nächsten Angriff des Boss in sicherer Entfernung oder außerhalb der Schusslinie steht. Das, zusammen mit den Setsuna Angriffen und der Möglichkeit, Angriffe von Charakteren zu kombinieren, genießt ihr eine gewisse Freiheit in dem, was geht und was nicht geht.

Neu in Lost Sphear sind auch die Vulcosuits, große, Mecha artige Anzüge, in welche die Protagonisten schlüpfen können, um ihren Schaden zu erhöhen. Die Vulcosuits können nur begrenzt im Kampf eingesetzt werden und kommen mit ihrer eigenen HP. Dazu benötigen die Vulcosuits VP, die außerhalb des Kampfs gewonnen werden. Was allerdings dazu führt, dass die Suits nicht immer einsetzbar sind und die cooldowns oft dazu führen, dass ich die Suits nicht oft trage. Sie sind eine nützliche Hilfe in Boss-Kämpfen. Nur dort habe ich sie dann auch meist eingesetzt. Außerhalb des Kampfes sehen sie aber schick aus und können Hindernisse, wie riesige Felsen, aus dem Weg räumen.

Sehen schon mächtig aus, die Vulcosuits.

Was die Kämpfe aber am spannendsten und das Kampfsystem am flexibelsten macht, sind die Spiritniten. Bereits aus I Am Setsuna bekannt, wurde auch dieses Skill-System überarbeitet und bietet so mehr Kombinationsmöglichkeiten. Fähigkeiten können verschiedene Effekte auslösen und in Kombination sehr effektiv sein. Einzelne Kämpfer oder die ganze Gruppe kann von den Effekten betroffen sein. Ihr habt eine riesige Auswahl an Kombinationen und Skills, was zu einem überraschend anpassungsfähigen Erlebnis in Lost Sphear führt. Ob offensiv, defensiv oder dazwischen, ihr wählt euren Spielstil.

Hey, das klingt wie Traverse Stadt! Die Musik

Auch für Lost Sphear schrieb Tomoki Miyoshi den Soundtrack, wie er es bereits für I Am Setsuna getan hat. Die ruhigen Klavier Stücke wechseln sich mit fröhlicher Musik in manchen Städten und Umgebungen ab und einmal meinte Nadine, während ich in Kanatas Heimatdorf unterwegs war: „Hey, das klingt doch nach Traverse Stadt!“ (aus Kingdom Hearts). Die Musik ist einer der Höhepunkte in Lost Sphear. Zu jeder Situation passend und zumindest mir wurde sie nie langweilig.

Nicht ganz oldschool, aber wunderschön. Die Grafik

Der impressionistische Stil, in pastellfarben die leicht zu verbleichen scheinen, gibt die melancholische Stimmung in Lost Sphear sehr gut wieder. Alles wirkt der Situation entsprechend trist, aber nicht leblos und Details gibt es viele zu entdecken. Nicht jede Handlung wird impliziert dargestellt und ihr müsst ein wenig eure Vorstellungskraft verwenden. Aber genau das machte die RPGs der neunziger schon so tiefgründig. Die 3D Modelle der Charaktere sind gelungen, wobei es merkwürdig wirkt, dass in den Menüs nur Pixelabbildungen der Helden zu sehen sind. Die Zwischensequenzen wirken meist wie ein Puppenspiel, was zum Charme dieses Spiels beiträgt, welches Nostalgie versprühen soll. Hier haben die Entwickler die richtige Mischung aus modernen und vergangenen Grafikstilen gewählt.

Ein Kurztrip in die Vergangenheit. Das Fazit

Am Ende ist Lost Sphear die Botschaft darüber, dass unsere Vergangenheit genauso wichtig ist, wie unsere Zukunft und wir nicht vergessen sollten. Tokyo RPG Factorys Art diese Geschichte zu erzählen ist wunderschön doch bietet das Spiel zu wenig Inhalt für Liebhaber von JRPGs, die lange Zeit mit einem solchen Spiel verbringen möchten und zu viel für Casual Spieler. Wenn euch eine Reise in die Vergangenheit genügt, dann ist Lost Sphear genau das richtige. Aber nur das, sucht nicht nach mehr.

Lost Sphear ist seit dem 23. Januar 2018 für Playstation 4 und Nintendo Switch verfügbar. Für dieses Review wurde die PS4 Version herangezogen.

Zusammenfassung
Lost Sphear ist eines jener Spiele, die man einfach gerne haben möchte, man möchte in die Welt versinken und sich darauf einlassen, was Tokyo RPG Factory da geschaffen haben. Aber es fällt schwer. Ich musste mich zeitweise durchbeißen und auch wenn mich Musik und Grafik komplett überzeugt haben, konnten Charaktere und Geschichte nicht mithalten. Was sie nicht wirklich schlecht macht, aber auch nicht wirklich gut. Lost Sphear versucht zu sehr zu sein, wie seine großen Vorbilder und vergisst dabei, es selbst zu sein und einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Ich habe jetzt auf jeden Fall Lust auf Final Fantasy VII.
Gut
  • Schnelles Kampfsystem
  • Spitnites
  • Interessanter Twist zum Ende hin
Schlecht
  • Bis zum Plot-Twist eher uninteressante Geschichte
  • Stets in Geldnot
  • Heftige Sprünge im Schwierigkeitsgrad
7.2
Fair
Spielspaß - 7
Grafik - 8
Sound - 8
Steuerung - 7
Handlung und Charaktere - 6

Kommentare

Roland

Kommentar von:

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1 Kommentar

  1. Ein durchaus nachvollziehbarer und vor allem faires Review (erhalten Spiele wie „Lost Sphear“ oder „I am Setsuna“ viel zu selten). Perefekt ist das Spiel sicher nicht aber durchaus charmant.
    Könnte mir in im Tokyo-RPG-Factory-Stil auch durchaus ein Remake von Final Fantasy 5 und 6 vorstellen (beide Teile haben schließlich noch keins erhalten) – dadurch könnte das Studio womöglich richtig berühmt werden.

    Antwort